Längere Behandlungsintervalle: Vabysmo® und Eylea HD® jetzt für alle drei großen Netzhauterkrankungen verfügbar
Mit der jüngsten Zulassungserweiterung von Eylea HD® durch die Europäische Kommission auf die Behandlung des Makulaödems nach retinalem Venenverschluss sind nun beide neuen Anti-VEGF-Medikamente — Eylea HD® (Aflibercept 8 mg) und Vabysmo® (Faricimab) — in Deutschland für alle drei großen Netzhauterkrankungen zugelassen: feuchte altersbedingte Makuladegeneration (fAMD), diabetisches Makulaödem (DMÖ) und retinaler Venenverschluss (RVO). Beide Medikamente ermöglichen in vielen Fällen deutlich längere Behandlungsintervalle als die bisherige Standardtherapie — eine wichtige Entwicklung für Patientinnen und Patienten, die häufig über Jahre auf regelmäßige Spritzen angewiesen sind.
Bisheriger Therapiestandard: hohe Behandlungslast über Jahre
Die Standardtherapie bei feuchter AMD, diabetischem Makulaödem und Makulaödem nach retinalem Venenverschluss ist seit über 15 Jahren die intravitreale operative Medikamenteneingabe (IVOM) — eine Spritze in den Glaskörper des Auges, durch die der Wachstumsfaktor VEGF blockiert wird. Etablierte Wirkstoffe wie Ranibizumab (Lucentis®) und Aflibercept 2 mg (Eylea®) haben seit ihrer Einführung das Sehvermögen vieler Betroffener stabilisiert oder verbessert.
Allerdings müssen viele Patientinnen und Patienten dauerhaft alle vier bis acht Wochen zur Spritze in die Praxis kommen — eine Belastung, die sich über Jahre hinweg erheblich summiert, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für die Angehörigen, die sie häufig zu den Terminen begleiten. Genau hier setzen die beiden neueren Wirkstoffe an: Sie sind darauf ausgelegt, die Wirkung pro Injektion zu verlängern und damit die Zahl der notwendigen Behandlungen zu reduzieren.
Vabysmo® (Faricimab): zwei Wirkansätze in einem Medikament
Vabysmo® ist das erste bispezifische Antikörper-Medikament in der Augenheilkunde. Während die bisherigen Anti-VEGF-Hemmer ausschließlich den Wachstumsfaktor VEGF-A blockieren, greift Faricimab an zwei Stellen gleichzeitig an: Es blockiert sowohl VEGF-A als auch Angiopoietin-2 — einen Botenstoff, der die Stabilität der Gefäße am Augenhintergrund beeinflusst und an entzündlichen Prozessen beteiligt ist. Dieser doppelte Wirkmechanismus kann in vielen Fällen zu einer besseren und länger anhaltenden Wirkung führen.
Vabysmo® ist seit einigen Jahren für die feuchte AMD und das diabetische Makulaödem zugelassen, vor Kurzem wurde die Zulassung zusätzlich auf Makulaödeme nach retinalem Venenverschluss erweitert. Die Zulassung für RVO basiert auf den globalen Phase-III-Studien BALATON und COMINO. In den 72-Wochen-Daten konnten rund 60 Prozent der Patienten mit Venenastverschluss und etwa 48 Prozent der Patienten mit Zentralvenenverschluss auf Behandlungsabstände von drei bis vier Monaten ausgedehnt werden.
Eylea HD® (Aflibercept 8 mg): höhere Dosis, längere Wirkdauer
Eylea HD® verfolgt einen anderen Ansatz. Es enthält denselben bewährten Wirkstoff wie das seit Jahren etablierte Eylea® — Aflibercept — allerdings in vierfacher Dosierung (8 mg statt 2 mg). Das Wirkprinzip bleibt unverändert: Aflibercept fängt VEGF-A ab und hemmt damit das Wachstum krankhafter Gefäße. Durch die höhere Wirkstoffkonzentration hält die Wirkung pro Injektion deutlich länger an.
Eylea HD® ist in der EU seit einigen Jahren für die feuchte AMD und das diabetische Makulaödem zugelassen, mit Behandlungsintervallen von bis zu fünf Monaten. Vor Kurzem wurde die Zulassung zusätzlich auf das Makulaödem nach retinalem Venenverschluss erweitert. Sie stützt sich auf die Phase-III-Studie QUASAR: Nach 64 Wochen erreichten über 60 Prozent der mit Eylea HD® behandelten RVO-Patienten Behandlungsintervalle von vier Monaten oder länger — bei rund 40 Prozent waren sogar fünf Monate möglich.
Sicherheitsprofil: vergleichbar mit etablierten Wirkstoffen
Beide Medikamente haben in den klinischen Studien ein gutes Sicherheitsprofil gezeigt. Die vierfache Dosierung von Eylea HD® führt nach aktueller Datenlage nicht zu einer vierfachen Rate an Nebenwirkungen — auch das Risiko einer Augeninnenentzündung ist nicht erhöht. Eylea HD® ist in den USA bereits seit längerer Zeit zugelassen und wurde dort seitdem an Hunderttausenden Patienten eingesetzt. Vabysmo® ist seit einigen Jahren weltweit verfügbar. Beide Wirkstoffe haben damit eine breite internationale Anwendungspraxis hinter sich.
Was bedeutet das für Patientinnen und Patienten?
Für Betroffene bedeutet die neue Therapieoption vor allem eines: deutlich weniger Praxisbesuche und damit eine spürbare Entlastung im Alltag. Statt im Vier- bis Sechs-Wochen-Rhythmus können viele Patienten künftig auf Drei- bis Fünf-Monats-Intervalle umsteigen — bei vergleichbarer oder besserer Wirkung.
Wichtig bleibt allerdings: Nicht jeder Patient erreicht die Maximalintervalle. Die Wirksamkeit und der mögliche Behandlungsabstand hängen von der Schwere und Chronizität der Erkrankung ab und sind individuell sehr unterschiedlich. Manche Augen sprechen sehr gut auf die neuen Wirkstoffe an, andere weniger ausgeprägt.
In unserer Praxis setzen wir beide Wirkstoffe regelmäßig ein und beraten unsere Patientinnen und Patienten individuell, ob ein Wechsel oder eine Anpassung der Therapie sinnvoll ist. Auch ein Rückwechsel auf die etablierten Wirkstoffe ist jederzeit möglich, falls eines der neuen Medikamente einmal nicht vertragen werden sollte.
Kostenübernahme durch die Krankenkassen
Die Kosten für beide Medikamente werden in Deutschland sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Krankenkassen vollständig übernommen, sofern eine zugelassene Indikation vorliegt. Auch die zugehörigen Kontrolluntersuchungen sind nach einer Behandlung in der Regel über die Kassen abgedeckt.
Weitere Informationen
Ausführliche Informationen zu Wirkmechanismus, Studienlage und häufig gestellten Fragen rund um Vabysmo® und Eylea HD® finden Sie auf unserer Detailseite zu Vabysmo und Eylea HD »
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Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Diagnose oder Therapieempfehlung durch einen Arzt.
Stand: Juni 2026.
Quellen (Auswahl)
- Bayer: Eylea 8 mg approved in the EU for third retinal indication. Pressemitteilung, 16. Januar 2026.
- Roche: European Commission approves Vabysmo for treatment of retinal vein occlusion (RVO). Pressemitteilung, 30. Juli 2024.
- Tadayoni R et al.: Efficacy and Safety of Faricimab for Macular Edema due to Retinal Vein Occlusion: 24-Week Results from the BALATON and COMINO Trials. Ophthalmology 2024.
- DOG, Retinologische Gesellschaft, BVA: Stellungnahme zur Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration.
- Fachinformationen Vabysmo® (Roche Pharma AG) und Eylea® 8 mg (Bayer Vital GmbH), aktueller Stand.