Vabysmo® und Eylea HD® Neue Anti-VEGF-Therapien für längere Behandlungsintervalle
Bei der Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration (fAMD), des diabetischen Makulaödems (DMÖ) und retinaler Venenverschlüsse (Zentralvenenverschluss/ZVV, Venenastverschluss/VAV) stehen mit Vabysmo® (Wirkstoff: Faricimab) und Eylea HD® (Wirkstoff: Aflibercept 8 mg) zwei neue Medikamente zur Verfügung. Beide ermöglichen in vielen Fällen deutlich längere Behandlungsintervalle als die bisherige Standardtherapie und bieten damit gerade Patientinnen und Patienten mit chronischen Verlaufsformen eine spürbare Entlastung. In unserer Praxis setzen wir beide Wirkstoffe regelmäßig ein.
Warum überhaupt neue Medikamente?
Die intravitreale operative Medikamenteneingabe (IVOM) mit Anti-VEGF-Hemmern ist seit über 15 Jahren der Standard zur Behandlung dieser drei Erkrankungen. Bewährte Wirkstoffe wie Ranibizumab (Lucentis®) und Aflibercept 2 mg (Eylea®) haben das Sehvermögen zahlreicher Betroffener stabilisiert oder verbessert. Allerdings müssen viele Patientinnen und Patienten dauerhaft alle vier bis acht Wochen zur Spritze in die Praxis kommen — eine Belastung, die sich über Jahre summiert, sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Angehörigen, die sie häufig begleiten.
Genau hier setzen die beiden neuen Wirkstoffe an: Sie sind darauf ausgelegt, die Wirkung pro Injektion zu verlängern und damit die Zahl der notwendigen Behandlungen zu reduzieren — ohne dabei an Wirksamkeit einzubüßen.
Vabysmo® (Faricimab) — bispezifischer Wirkmechanismus
Was ist das Besondere?
Vabysmo ist das erste bispezifische Antikörper-Medikament in der Augenheilkunde. Während die bisherigen Anti-VEGF-Hemmer ausschließlich den Wachstumsfaktor VEGF-A blockieren, greift Faricimab an zwei Stellen gleichzeitig an:
- VEGF-A — verantwortlich für das Wachstum krankhafter Blutgefäße
- Angiopoietin-2 (Ang-2) — beeinflusst die Stabilität der Gefäßwände und ist an entzündlichen Prozessen am Augenhintergrund beteiligt
Bei der feuchten Makuladegeneration spielen nicht nur Wachstumsfaktoren eine Rolle, sondern auch entzündliche Prozesse, die durch Angiopoietin-2 mitgesteuert werden. Indem Vabysmo beide Faktoren gleichzeitig adressiert, kann in vielen Fällen eine bessere und länger anhaltende Wirkung erzielt werden — die Netzhaut trocknet zuverlässiger aus, die Gefäße am Augenhintergrund werden zusätzlich stabilisiert.
Zulassung und Studienlage
Vabysmo® ist in Deutschland seit einigen Jahren zugelassen für die feuchte altersbedingte Makuladegeneration (fAMD) und das diabetische Makulaödem (DMÖ). Vor Kurzem wurde die Zulassung zusätzlich auf das Makulaödem nach retinalem Venenverschluss (RVO) erweitert.
Die RVO-Zulassung basiert auf den globalen Phase-III-Studien BALATON (Venenastverschluss, 553 Patienten) und COMINO (Zentralvenenverschluss/hemiretinaler Verschluss, 729 Patienten). Beide Studien zeigten, dass Vabysmo der bisherigen Standardtherapie in der Sehverbesserung mindestens ebenbürtig ist — bei deutlich verlängerbaren Behandlungsintervallen. Nach 72 Wochen konnten rund 60 Prozent der Patienten mit Venenastverschluss und etwa 48 Prozent mit Zentralvenenverschluss auf Behandlungsabstände von drei bis vier Monaten ausgedehnt werden. Bisherige Standardtherapien werden im Vergleich typischerweise alle vier bis acht Wochen verabreicht.
Wann setzen wir Vabysmo ein?
Vabysmo ist insbesondere geeignet für:
- Patientinnen und Patienten, die auf die bisherigen Medikamente nicht ausreichend ansprechen
- Verlaufsformen mit hoher Behandlungslast, bei denen längere Intervalle das Therapieziel sind
- Therapien, bei denen eine zusätzliche Wirkung auf entzündliche Komponenten medizinisch sinnvoll erscheint
Ob Vabysmo im Einzelfall die bessere Wahl ist, lässt sich nur nach individueller Untersuchung und Beratung beurteilen.
Eylea HD® (Aflibercept 8 mg) — höhere Dosis, längere Wirkdauer
Was unterscheidet Eylea HD vom bekannten Eylea?
Eylea HD enthält denselben Wirkstoff wie das seit Jahren etablierte Eylea — Aflibercept — allerdings in vierfacher Dosierung (8 mg statt 2 mg). Das Wirkprinzip bleibt unverändert: Aflibercept fängt VEGF-A ab und hemmt damit das Wachstum krankhafter Gefäße. Durch die höhere Wirkstoffkonzentration hält die Wirkung pro Injektion deutlich länger an.
Zulassung und Studienlage
Eylea HD ist in der EU seit einigen Jahren zugelassen für die feuchte altersbedingte Makuladegeneration und das diabetische Makulaödem, mit Behandlungsintervallen von bis zu fünf Monaten. Vor Kurzem wurde die Zulassung zusätzlich auf das Makulaödem nach retinalem Venenverschluss erweitert.
Die RVO-Zulassung stützt sich auf die Phase-III-Studie QUASAR. Nach 64 Wochen erreichten über 60 Prozent der mit Eylea HD behandelten RVO-Patienten Behandlungsintervalle von vier Monaten oder länger — bei rund 40 Prozent waren sogar Intervalle von fünf Monaten möglich.
Ist die höhere Dosis auch mit höheren Nebenwirkungen verbunden?
Das ist eine der häufigsten Patientenfragen — und eine berechtigte. Die bisherige Studienlage und die internationale Praxiserfahrung — Eylea HD ist in den USA bereits seit längerer Zeit zugelassen und wurde dort seitdem an Hunderttausenden Patienten eingesetzt — zeigen ein vergleichbares Sicherheitsprofil zur 2-mg-Variante. Die vierfache Dosierung führt nicht zu einer vierfachen Rate an Nebenwirkungen. Auch das Risiko einer Augeninnenentzündung ist nach aktueller Datenlage nicht erhöht. Wie bei jeder intravitrealen Injektion bestehen jedoch auch hier die bekannten allgemeinen Risiken, über die wir Sie individuell aufklären.
Wann setzen wir Eylea HD ein?
Eylea HD ist eine sinnvolle Option insbesondere für:
- Patientinnen und Patienten mit chronischer Befundkonstellation, die unter dem bisherigen 4- bis 6-Wochen-Rhythmus leiden
- Verläufe, in denen der Befund unter Eylea 2 mg gut anspricht, aber dauerhaft nicht trocknet
- alle Indikationen, bei denen längere Behandlungsintervalle das Therapieziel sind
Was bedeutet das konkret für Sie als Patient?
Die zentrale Verbesserung beider Wirkstoffe liegt in der reduzierten Behandlungsfrequenz. Statt im Vier- bis Sechs-Wochen-Rhythmus können viele Patienten künftig auf Drei- bis Fünf-Monats-Intervalle umsteigen — bei vergleichbarer oder besserer Wirkung. Das hat mehrere Vorteile:
- Weniger Praxisbesuche und damit weniger zeitliche und organisatorische Belastung
- Geringere Belastung für Angehörige, die viele Patienten zu den Terminen begleiten
- Bessere Therapietreue, weil ein längeres Behandlungsintervall im Alltag leichter durchzuhalten ist
- Höhere Lebensqualität insgesamt
Wichtig ist allerdings: Nicht jeder Patient erreicht die Maximalintervalle. Manche Augen sprechen sehr gut auf die neuen Wirkstoffe an und können tatsächlich vier oder fünf Monate ohne Spritze auskommen. Bei anderen sind die Intervalle nur leicht länger als bisher — sechs oder acht Wochen statt vier. Das hängt von der Schwere und Chronizität der Erkrankung ab und lässt sich erst im Verlauf der Behandlung beurteilen.
Häufig gestellte Fragen
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Sind Vabysmo und Eylea HD ausreichend erprobt — oder bin ich Versuchskaninchen?
Beide Medikamente sind in umfangreichen, internationalen Phase-III-Studien getestet und seit mehreren Jahren zugelassen. Die Datenlage ist robust. Eylea HD ist in den USA bereits seit längerer Zeit zugelassen und wurde dort seitdem an Hunderttausenden Patientinnen und Patienten weltweit eingesetzt. Vabysmo ist seit einigen Jahren verfügbar und wurde inzwischen ebenfalls weltweit etabliert. Beide Wirkstoffe haben also bereits eine breite Anwendungspraxis hinter sich, bevor wir sie unseren Patientinnen und Patienten anbieten.
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Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Ja. In Deutschland werden die Behandlung sowie die zugehörigen postoperativen Kontrolluntersuchungen sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Krankenkassen vollständig übernommen, sofern eine zugelassene Indikation vorliegt.
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Ich werde derzeit mit Lucentis, Avastin oder dem normalen Eylea behandelt — kann ich auf eines der neuen Medikamente umsteigen?
Grundsätzlich ist ein Wechsel jederzeit möglich. Ob er sinnvoll ist, hängt vom individuellen Verlauf ab. Wenn Sie unter Ihrer aktuellen Therapie stabil sind und bereits längere Behandlungsintervalle erreicht haben, ist ein Wechsel nicht zwingend angezeigt. Wenn die Behandlung jedoch belastend ist, der Befund nicht trocknet oder die Intervalle sich nicht ausdehnen lassen, kann ein Wechsel die Therapie deutlich entlasten — und in vielen Fällen auch bessere anatomische Ergebnisse erzielen.
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Wenn ich wechsle — muss ich wieder mit monatlichen Spritzen von vorne anfangen?
In den meisten Fällen ja, mit einer kurzen Aufsättigungsphase. In den Studien hat sich gezeigt, dass eine Aufsättigung über drei bis fünf monatliche Injektionen die beste Voraussetzung für anschließend lange Intervalle schafft. Bei stabilen Befunden lässt sich diese Phase manchmal verkürzen, bei stark ausgeprägten Befunden kann sie länger dauern. Auch hier entscheiden wir individuell.
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Was, wenn ich das neue Medikament nicht vertrage — kann ich zurückwechseln?
Ja. Ein Rückwechsel auf die etablierten Wirkstoffe ist jederzeit möglich. Wir kontrollieren in solchen Fällen engmaschig, ob der Befund unter dem alten Medikament wieder gut anspricht — in den allermeisten Fällen klappt das problemlos.
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Welches der beiden Medikamente ist besser?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Vabysmo und Eylea HD wirken über unterschiedliche Mechanismen und eignen sich für unterschiedliche Verlaufsformen. Bei manchen Patienten zeigt Vabysmo durch die zusätzliche Ang-2-Hemmung Vorteile, bei anderen ist die höhere Dosis von Eylea HD die bessere Wahl. Welches Medikament im Einzelfall geeigneter ist, klären wir gemeinsam mit Ihnen anhand Ihres Befundes und Therapieverlaufs.
Wie geht es weiter — kommen weitere Therapien?
Die intravitreale Injektion (IVOM) wird nach heutigem Stand auch in den kommenden Jahren der Goldstandard zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration und des diabetischen Makulaödems bleiben. Im Bereich der Gentherapie laufen weltweit zahlreiche Studien. Ob und in welchem Umfang diese Therapien in den nächsten drei bis fünf Jahren die IVOM ergänzen oder teilweise ersetzen können, ist noch offen. Wir verfolgen die Entwicklungen aufmerksam und informieren unsere Patientinnen und Patienten, sobald sich neue Optionen abzeichnen.
Quellen und weiterführende Informationen
Fachgesellschaften und Leitlinien
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Retinologische Gesellschaft (RG), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA): Stellungnahme zur Anti-VEGF-Therapie bei der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration. Aktualisierte Fassung. → PDF beim BVA
- Übersicht aller aktuellen DOG-Stellungnahmen und Empfehlungen: → dog.org/aerzteschaft/stellungnahmen-und-empfehlungen
Vabysmo® (Faricimab)
- Roche: European Commission approves Vabysmo for treatment of retinal vein occlusion (RVO). Pressemitteilung, 30. Juli 2024. → roche.com
- Tadayoni R et al.: Efficacy and Safety of Faricimab for Macular Edema due to Retinal Vein Occlusion: 24-Week Results from the BALATON and COMINO Trials. Ophthalmology 2024. → aaojournal.org
- Heier JS, Khanani AM, Quezada Ruiz C et al. (TENAYA and LUCERNE Investigators): Efficacy, durability, and safety of intravitreal faricimab up to every 16 weeks for neovascular age-related macular degeneration (TENAYA and LUCERNE): two randomised, double-masked, phase 3, non-inferiority trials. Lancet 2022.
- PRO RETINA Deutschland e. V. (Patientenorganisation): Zulassungserweiterung Vabysmo (Faricimab) bei retinalem Venenverschluss. → pro-retina.de
- Fachinformation Vabysmo® (Roche Pharma AG), aktueller Stand.
Eylea HD® / Eylea® 8 mg (Aflibercept 8 mg)
- Bayer: Eylea 8 mg approved in the EU for third retinal indication. Pressemitteilung, 16. Januar 2026. → bayer.com
- Regeneron Pharmaceuticals: EYLEA HD Phase 3 Trial (QUASAR) Meets Primary Endpoint Showing Improved Vision with Extended Dosing Intervals in Patients with Macular Edema following Retinal Vein Occlusion. Pressemitteilung, 17. Dezember 2024.
- QUASAR-Studie: 64-Wochen-Daten zur Wirksamkeit und Behandlungsdauer von Aflibercept 8 mg bei retinalem Venenverschluss. Vorgestellt 2025/2026.
- Fachinformation Eylea® 8 mg (Bayer Vital GmbH), aktueller Stand.
Patientenorientierte Informationen
- AMD-Netz e. V.: Medikamente für die IVOM-Therapie. → amd-netz.de
- PRO RETINA Deutschland e. V. — Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Netzhauterkrankungen: → pro-retina.de
Hinweis: Die hier zitierten Quellen wurden zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags geprüft. Für die jeweils aktuelle Fachinformation und Zulassungslage verweisen wir auf die offiziellen Veröffentlichungen der Hersteller, der EMA (Europäische Arzneimittelagentur) sowie der deutschen Fachgesellschaften DOG, RG und BVA.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Diagnose oder Therapieempfehlung durch einen Arzt. Jedes Auge ist unterschiedlich. Ob die hier beschriebenen Medikamente bei Ihnen geeignet sind und tatsächlich zu längeren Behandlungsintervallen führen, lässt sich nur nach individueller Untersuchung beurteilen.
Stand: Juni 2026.
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Eine fundierte Empfehlung lässt sich nur nach einer eingehenden Untersuchung und unter Berücksichtigung Ihres bisherigen Therapieverlaufs treffen. Wir nehmen uns die Zeit, Ihren individuellen Befund zu beurteilen und mit Ihnen gemeinsam zu entscheiden, ob ein Wechsel oder eine Anpassung Ihrer Therapie sinnvoll ist.
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